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Tschüss, Genderbread-Person!

Wie wir vermutlich lernen, uns selbst geschlechtlich zu verorten.

Die Idee, dass es ein soziales (oder psychologisches) Geschlecht gäbe und ein körperliches (oder biologisches) Geschlecht, hat sich in den letzten rund 25 Jahren weit verbreitet. Das Konzept der Geschlechtsidentitäts-Entwicklung, bei der es eine „erwartbare“ Synchronität und ein „unerwartetes“ Auseinanderfallen der beiden Dimensionen gäbe, hat zu Jahrzehnte-langer Pathologisierung und der Fiktion psychiatrisch feststellbarer Diagnosen geführt. Auch Gesetze und der Rechtsprechung bedienen sich bis heute dieser Fiktion eines „lediglich empfundenen“ Geschlechts – dies ist die Wortwahl des Bundesgerichtshofs vom 20. April 2020.

Da mutet es regelrecht revolutionär an, nach einer Erklärung für die Entwicklung der eigenen geschlechtlichen Verortung zu suchen, die für alle Menschen gleichermaßen schlüssig und valide ist. Unabhängig davon, ob wir uns trans*- oder cis-gender, endo- oder intergeschlechtlich, binär oder abinär, permanent oder fluid oder agender zuordnen würden.

Anne Fausto-Sterling hat 2019 einen atemberaubend klugen Aufschlag hierfür gemacht. In der Review „Geschlecht/Geschlechtsidentität [Gender/Sex] und sexuelle Orientierung sind im Körper – wie sind sie dorthin gekommen?“ hat Fausto-Sterling die unterschiedlichsten Erkenntnisse aus den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, die sich mit Geschlecht oder der menschlichen Entwicklung befassen, verbunden und zusammengefügt. In meinem Vortrag greife ich das auf und nähere mich dem von dem sehr alltags-tauglichen Schichtenmodell zur Frage „Was bestimmt unser Handeln?“, das normalerweise in Coachings zu Fragen der persönlichen Entwicklung genutzt wird. Auch das „organismische Erleben“ und die „Tendenz zur Selbstaktualisierung“ aus den Modellen über das Menschsein von Carl Rogers spielen eine Rolle.

Vielleicht hat die Genderbread-Person ja ausgedient…?

Der Vortrag erfordert keine spezifischen Vorkenntnisse zu queeren und trans* Themen oder Biologie, Psychologie und Soziologie.